Arthrose bei Hunden und Katzen: Symptome erkennen und behandlen
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Von
Dr. med. vet. Sabina Büttner - 15.09.2019

Die Arthrose (Osteoarthrose) ist die häufigste Ursache von chronischen Gelenkschmerzen bei Hunden und Katzen. Es handelt sich dabei nicht nur um einfachen „Verschleiss“, sondern um eine komplexe, fortschreitende Erkrankung des gesamten Gelenks. Hier erfahren Sie, welche Symptome auftreten und welche modernen, innovativen Behandlungsmöglichkeiten die Tiermedizin heute bietet.
Hunde und Katzen leiden mit zunehmendem Alter häufig an Verschleisserscheinungen der Gelenke, die zum Teil zu massiven Schmerzen führen können. Neuere Studien und verbesserte Diagnostik zeigen, dass Arthrose oft schon bei viel jüngeren Tieren beginnt als früher angenommen.
| Tierart | Häufigkeit & Betroffenheit |
|---|---|
| Katzen |
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| Hunde |
|
Zum Glück lösen nicht alle röntgenologisch sichtbaren Veränderungen tatsächlich Schmerzen aus.4 Allerdings ist es vor allem bei Katzen häufig sehr schwierig festzustellen, ob und wo sie Schmerzen haben. Während Hunde mit Arthrose häufig hinken, werden die Symptome der Katze oft einfach mit dem Älterwerden des Tieres erklärt – mit der richtigen Behandlung leben diese Patienten aber oft wieder auf und benehmen sich wie früher.
- Bewegt sich insgesamt weniger und hat weniger Ausdauer beim Spaziergang
- Steifer Gang, besonders morgens oder nach Ruhephasen ("Anlaufschmerz")
- Zeigt Lahmheit oder einen veränderten Gang (z.B. "Häschenhoppeln")
- Spielt weniger
- Will nicht mehr ins Auto springen oder Treppen steigen
- Verschlimmerung nach starker Anstrengung und bei nasskaltem Wetter
- Meidet harte und kühle Liegeplätze
- Beleckt intensiv bestimmte Gelenke (oft die Pfoten oder Fusswurzeln)
- Lässt sich ungern bürsten/streicheln
- Reagiert ungewohnt aggressiv/ängstlich
- Bewegt sich weniger, schläft deutlich mehr
- Springt nicht mehr hoch oder zögert vor dem Sprung (sucht sich Zwischenstufen)
- Schärft sich die Krallen nicht mehr (Krallen wachsen ein)
- Putzt sich weniger, besonders am Rücken → struppiges, schuppiges Haarkleid
- Hat Schwierigkeiten, die Katzenklappe zu benutzen
- Hat Schwierigkeiten, die Katzentoilette zu benutzen (oft Grund für plötzliche Unsauberkeit)
- Zieht sich zurück, ist weniger sozial oder miaut nachts häufiger
- Miaut häufiger
- Reagiert abweisend oder aggressiv bei Berührung am Rücken oder den Gelenken
Behandlung der Arthrose bei Hunden und Katzen
Arthrose ist unheilbar, aber die Lebensqualität betroffener Tiere kann heute besser denn je erhalten werden. Der moderne wissenschaftliche Standard ist die multimodale Schmerztherapie – eine Kombination verschiedener Ansätze, die sich gegenseitig verstärken.
1. Gewichtsmanagement und Diät
Neueste Erkenntnisse zeigen: Fettgewebe ist nicht nur totes Gewicht, sondern ein aktives Organ, das entzündungsfördernde Botenstoffe (Adipokine) direkt in den Körper ausschüttet. Eine Gewichtsreduktion bei übergewichtigen Tieren ist daher die effektivste, nicht-medikamentöse Massnahme gegen Arthroseschmerzen.
2. Moderne Schmerztherapie
- Monoklonale Antikörper (Anti-NGF): Seit wenigen Jahren gibt es eine revolutionäre Therapieform für Hunde und Katzen. Es handelt sich um monoklonale Antikörper (z.B. Bedinvetmab für Hunde, Frunevetmab für Katzen), die als monatliche Spritze verabreicht werden. Sie neutralisieren gezielt den "Nerve Growth Factor" (NGF), einen Hauptauslöser für Arthroseschmerz. Da sie über das Immunsystem abgebaut werden, schonen sie Leber und Nieren, was sie ideal für ältere Tiere oder Katzen macht.
- Klassische Entzündungshemmer: Werden weiterhin bei akuten Schüben eingesetzt, um die Entzündung im Gelenk schnell zu stoppen.
- Zusätzliche Schmerzmittel: Bei sehr starken Schmerzen können Medikamente wie Gabapentin oder Amantadin (z.B. bei chronischen, ins Nervensystem übergegangenen Schmerzen) ergänzt werden.
3. Gelenkunterstützende Nährstoffe
- Omega-3-Fettsäuren (speziell EPA): Haben die wissenschaftlich am besten belegte entzündungshemmende Wirkung bei Arthrose, wenn sie hoch dosiert werden.
- UC-II (Undenaturiertes Kollagen Typ II): Ein neuerer Ansatz, der dem Immunsystem hilft, den Abbau von Knorpelgewebe zu stoppen.
- Glykosaminoglykane und Chondroitin: Werden weiterhin oft verwendet, auch wenn die Studienlage zu ihrer Wirksamkeit heute differenzierter betrachtet wird.
- Pflanzliche Extrakte und weitere Naturstoffe: Ergänzend kommen häufig entzündungshemmende und schmerzlindernde Heilpflanzen wie Teufelskralle, Weidenrinde, Arnika, Kurkumin und Weihrauch zum Einsatz. Zudem haben sich Substanzen wie Eierschalenmembran, Hyaluronsäure und das Pulver der Grünlippmuschel in der unterstützenden Behandlung von Gelenkverschleiss bewährt.
4. Physiotherapie und Bewegung
- Gezielter Muskelaufbau entlastet die Gelenke. Unterwasserlaufbänder (Schwimmtherapie) sind ideal, da sie Gelenke schonen und Muskeln trainieren.
- Therapeutische Massnahmen wie Lasertherapie, passive Bewegungsübungen oder Akupunktur helfen, Verspannungen (die als Folge der Schmerzen entstehen) zu lösen.
- Die Devise lautet heute: Moderate, aber regelmässige Bewegung (lieber öfter kurz spazieren als einmal am Tag extrem lang).
5. Anpassungen im Alltag
Warme, weiche Liegeplätze, am besten in Form von speziellen orthopädischen Betten mit Memory-Schaum, rutschfeste Teppiche auf glatten Böden, flache Katzentoiletten und Rampen fürs Auto erleichtern den Tieren den Alltag enorm.
Fazit
Wenn Sie den Verdacht haben, dass Ihr Tier Gelenkprobleme hat, lassen Sie es von Ihrem Tierarzt oder Ihrer Tierärztin untersuchen. Er oder sie kann mögliche andere Schmerzursachen ausschliessen, eine genaue Diagnose stellen und mit Ihnen zusammen einen angepassten Therapieplan erarbeiten.
Je jünger Ihr Tier ist und je früher die Arthrose erkannt und behandelt wird, desto grösser sind die Chancen, die Beschwerden schnell zu lindern und den Krankheitsverlauf zu verlangsamen!
1 Hardie, E.M. et al. (2002) Radiographic evidence of degenerative joint disease in geriatric cats: 100 cases (1994 –1997) Journal of American Veterinary Medical Association 220, 628-632
2 Clarke, S.P., Mellor, D. et al. (2005 ) Radiographic Prevalence of Degenerative Joint Disease in a Hospital Population of Cats. Veterinary Record, 157,793-799
3 Johnston, S.A. (1997). Osteoarthritis: joint anatomy, physiology, and pathobiology. Vet Clin North Am Small Anim Pract.;27: 699–723.
4 Owens, J.M., Ackerman, N. (1978): Roentgenology of arthritis. Vet Clin North Am 8:453