Erste Hilfe für Hunde und Katzen: Was tun bei Verletzungen?
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Von
med. vet. Bianca Michoud-Valente - 23.07.2026

Verletzungen gehören zu den häufigsten Notfällen bei Hunden und Katzen. Eine Schnittwunde an den Pfotenballen, eine Schramme, eine Bisswunde nach einem Kampf oder eine durch einen scharfen Gegenstand verursachte Wunde können jederzeit vorkommen. Während manche Verletzungen oberflächlich sind und schnell heilen, können andere starke Schmerzen verursachen, sich infizieren oder eine tierärztliche Behandlung erfordern.
Wer in den ersten Minuten richtig reagiert, minimiert das Risiko von Komplikationen und unterstützt eine optimale Wundheilung. Erfahren Sie, welche Schritte Sie unternehmen sollten, welche Fehler Sie vermeiden müssen und welche Situationen einen raschen Tierarztbesuch erfordern.
Was sind die häufigsten Verletzungen bei Hunden und Katzen?
Hunde und Katzen können sich in vielen Alltagssituationen verletzen. Die am häufigsten vorkommenden Verletzungen sind:
- Schnittwunden an den Pfotenballen (Glas, Metall, Muscheln, Eis...);
- Schrammen und kleine oberflächliche Wunden;
- Biss- und Kratzwunden, insbesondere nach einem Kampf;
- Abgebrochene oder ausgerissene Krallen;
- Verletzungen durch Grannen, Splitter oder andere Fremdkörper;
- Hautrisswunden nach einem Unfall.
Wie bewertet man die Schwere einer Verletzung?
Bleiben Sie vor jeder Handhabung ruhig und beobachten Sie Ihr Tier.
Beurteilen Sie insbesondere:
- die Stärke der Blutung;
- die Tiefe der Wunde;
- ihre Lage;
- das eventuelle Vorhandensein eines Fremdkörpers;
- die Schmerzen Ihres Tieres;
- seine Fähigkeit, die betroffene Gliedmasse normal zu benutzen.
Erste-Hilfe-Massnahmen bei einer Verletzung
1. Blutung stoppen
Wenn die Wunde stark blutet, legen Sie sofort eine saubere Kompresse oder ein sauberes Tuch direkt auf die Wunde und üben Sie 5 bis 10 Minuten lang einen gleichmässigen Druck aus.
Vermeiden Sie es, die Kompresse regelmässig anzuheben, um die Blutung zu überprüfen. Wenn sie mit Blut durchtränkt ist, legen Sie einfach eine neue Kompresse darüber.
2. Wunde sorgfältig reinigen
Sobald die Blutung unter Kontrolle ist, spülen Sie die Wunde reichlich mit physiologischer Kochsalzlösung oder lauwarmem, sauberem Wasser aus, um Schmutz, kleine Fremdkörper oder Bakterien zu entfernen.
Wenn Haare die Wunde verschmutzen, können diese vorsichtig um die Wunde herum gekürzt werden, um die Reinigung zu erleichtern, wobei darauf zu achten ist, die Haut nicht weiter zu verletzen.
3. Desinfizieren
Tragen Sie nach der Reinigung ein für Tiere geeignetes Antiseptikum auf, beispielsweise auf Chlorhexidin-Basis.
4. Wunde schützen
Kleine Schrammen heilen an der frischen Luft meist von selbst, sofern sie sauber bleiben.
Schnittwunden am Ballen oder an schmutzgefährdeten Stellen sind hingegen mit einem leichten Verband besser geschützt – dieser darf jedoch niemals zu stramm sitzen, um die Blutzirkulation nicht abzuschnüren
Mein Hund oder meine Katze leckt an der Wunde: Sollte man das verhindern?
Entgegen der allgemeinen Annahme fördert Lecken die Wundheilung nicht. Im Gegenteil, es kann das Gewebe reizen, Infektionen begünstigen und die Heilung verzögern!
Wenn Ihr Tier wiederholt an seiner Wunde leckt, kann es notwendig sein, eine Halskrause, einen Schutzbody oder einen geeigneten Verband zu verwenden, um die Wunde während der Heilung zu schützen.
Verletzungen der Pfotenballen: Ein Sonderfall
Die Pfotenballen sind im Alltag ständigen Risiken ausgesetzt, da Glasscherben, scharfe Steine oder extremer Bodenbelag wie Eis und Hitze schwere Wunden verursachen können.
Nachdem Sie die Wunde gereinigt und die Blutung unter Kontrolle gebracht haben, reduzieren Sie Spaziergänge bis zur Abheilung auf ein Minimum und schützen Sie den Ballen mit einem Verband oder einem Pfotenschutzschuh.
Wichtig: Tiefe Verletzungen am Ballen erfordern fast immer eine tierärztliche Behandlung und oft auch eine Naht. Kontaktieren Sie daher zeitnah Ihre Tierarztpraxis.
Wann sollte man einen Tierarzt aufsuchen?
Manche Verletzungen erfordern eine unverzügliche Behandlung. Selbst eine kleine Bisswunde kann an der Oberfläche harmlos wirken, sich aber schnell zu einer tiefen Infektion entwickeln.
- die Blutung nach 10 Minuten Kompression nicht aufhört;
- die Wunde tief oder weit geöffnet ist;
- ein Muskel, eine Sehne oder ein Knochen sichtbar ist;
- ein Fremdkörper tief in der Wunde steckt;
- sich die Verletzung in der Nähe eines Auges, eines Gelenks oder der Genitalien befindet;
- Ihr Hund oder Ihre Katze die Pfote nicht mehr auf den Boden setzt;
- eine Kralle teilweise oder vollständig ausgerissen ist;
- es sich um eine Bisswunde handelt;
- die Wunde rot, geschwollen oder warm wird oder Eiter absondert;
- Ihr Tier abgeschlagen wirkt, Schmerzen zeigt oder Fieber hat.
Wie überwacht man die Wundheilung?
Überprüfen Sie in den Tagen nach der Verletzung täglich, ob die Wunde sauber bleibt.
Eine normale Wundheilung zeigt sich durch eine schrittweise Abnahme von Rötung, Schwellung, Schmerzen und Wundsekret. In der Regel bildet sich schliesslich eine Schorfschicht (die nicht nässt) an der Oberfläche.
Suchen Sie hingegen umgehend einen Tierarzt auf, wenn Sie folgende Anzeichen bemerken: eine zunehmende Schwellung, unangenehmen Geruch, Eiter, eine grünlich-violette Verfärbung, anhaltende Schmerzen oder eine Wunde, die einfach nicht heilen will.
Eine Erste-Hilfe-Ausrüstung zusammenstellen
Eine Erste-Hilfe-Ausrüstung zur Hand zu haben, ermöglicht schnelles Handeln im Verletzungsfall.
| Ausrüstung | Nutzen für das Tier |
|---|---|
| Physiologische Kochsalzlösung | Zum Ausspülen der Wunde und Entfernen von Schmutz. |
| Sterile Kompressen | Zum Reinigen oder Ausüben von Druck (Watte vermeiden). |
| Tiergerechtes Antiseptikum | Zum Desinfizieren ohne Brennen oder Vergiftungsgefahr. |
| Kohäsive Fixierbinden | Für einen leichten Verband, der hält, ohne im Fell zu verkleben. |
| Abgerundete Verbandsschere | Zum gefahrlosen Schneiden von Binden oder Haaren um die Wunde. |
| Einweghandschuhe | Für eine hygienische Versorgung der Verletzung. |
| Zeckenzange | Zum sicheren Entfernen von Parasiten. |
| Halskrause oder Schutzbody | Um unerwünschtes Lecken der Wunde zu verhindern. |
Diese Ausrüstung ist besonders nützlich bei Spaziergängen, im Urlaub, beim Wandern oder bei sportlichen Aktivitäten mit Ihrem Tier.
Zusammenfassung
Die meisten kleinen Verletzungen bei Hund und Katze heilen problemlos ab, wenn sie schnell gereinigt, desinfiziert und überwacht werden. Eine tiefe Wunde, eine Bissverletzung, eine starke Blutung oder eine Verletzung an einer empfindlichen Stelle erfordern hingegen eine rasche tierärztliche Behandlung.
Zögern Sie im Zweifelsfall niemals, Ihren Tierarzt zu kontaktieren. Selbst wenn die Verletzung harmlos erscheint, reicht oft ein kurzer Anruf, um die Schwere einzuschätzen und zu klären, ob ein Besuch notwendig ist. Eine frühzeitige Versorgung verringert Komplikationen, senkt das Infektionsrisiko und fördert eine schnelle, schmerzfreie Heilung für Ihren Begleiter.