Warum hat mein Hund ständig tränende Augen?
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Von
med. vet. Bianca Michoud-Valente - 06.11.2025

Tränende Augen beim Hund sind ein häufiges Phänomen – manchmal harmlos, sie können aber auch auf eine ernstere Erkrankung hinweisen. Unabhängig davon, ob es sich um eine vorübergehende Reizung, ein anatomisches Problem oder eine zugrunde liegende Augenerkrankung handelt, es ist wichtig, die möglichen Ursachen zu verstehen und die Anzeichen zu erkennen, bei denen ein Tierarztbesuch notwendig ist. In diesem Artikel erfahren Sie, wie Sie die Ursache für tränende Augen bei Ihrem Hund erkennen und die richtigen Massnahmen ergreifen, um seine Augengesundheit zu erhalten.
Die Hauptursachen für tränende Augen beim Hund
1. Umwelt- und reizbedingte Ursachen
Bei vielen Hunden kann ein klarer Augenausfluss nach Kontakt mit Wind, Staub, Rauch oder reizenden Substanzen beobachtet werden. Spaziergänge bei trockenem oder windigem Wetter sowie der Kontakt mit Pollen, Gräsern oder Sandkörnern können ebenfalls zu Tränenfluss führen. Wenn das Phänomen schnell wieder verschwindet und keine Rötung oder Schmerzen auftreten, besteht kein Grund zur Sorge.
2. Krankhafte Ursachen
Tränende Augen können auch auf ein Augenproblem hinweisen, das behandelt werden muss:
- Infektiöse oder allergische Bindehautentzündung (Konjunktivitis): Eine Entzündung der Augenbindehaut kommt häufig vor und kann verschiedene Ursachen haben:
- Infektiöse Konjunktivitis: durch Bakterien oder Viren bedingt. Oft mit starker Rötung des Auges, Schmerzen oder Reizung sowie dickem (gelblich-grünem) Ausfluss verbunden.
- Allergische Konjunktivitis: durch Allergene wie Pollen, Hausstaubmilben oder Gräser ausgelöst. Typischerweise mit starkem Juckreiz, klarem Sekret und manchmal Rötung der Augenlider verbunden.
- Hornhautverletzung (Kornea-Läsion): Meist eine mikroskopisch kleine Verletzung der Hornhaut, die mit blossem Auge nicht sichtbar ist. Sie kann durch ein Trauma, einen Fremdkörper oder manchmal durch eine chronische Trockenheit der Augen entstehen. Der Hund zeigt deutliche Schmerzen, blinzelt häufig, hält das Auge geschlossen und reibt den Kopf an Gegenständen, Teppichen oder mit den Pfoten.
- Keratokonjunktivitis sicca (Trockenes Auge): Ist gekennzeichnet durch eine unzureichende Tränenproduktion. Der dadurch fehlende Tränenfilm führt zu chronischer Reizung der Augenoberfläche. Es kommt zu einem dicken, schleimigen Augenausfluss und mit der Zeit zu einer matten oder trüben Hornhaut . Ohne Behandlung verschlechtern sich Sehkraft und Wohlbefinden nach und nach.
- Verletzungen und Fremdkörper: Ein Kratzer, eine Granne, ein Sandkorn oder jeder andere Fremdkörper im Auge kann eine starke Reaktion hervorrufen. Typisch sind ein zusammengekniffenes Auge, starke Rötung, Schmerz, vermehrter Ausfluss und in schweren Fällen sogar Blutungen.
- Weitere medizinische Ursachen: Augenausfluss kann auch ein Symptom für tiefgreifendere Probleme sein, wie Grüner Star (Glaukom), Tumoren, allgemeine Krankheiten (z. B. Diabetes, Schilddrüsenunterfunktion, Leishmaniose), Zahninfektionen oder Stoffwechselstörungen. Eine tierärztliche Untersuchung ist erforderlich, um diese Ursachen auszuschliessen.
3. Morphologische und rassebedingte Ursachen
Manche Hunde haben eine Anatomie, die chronische Tränenbildung begünstigt:
- Verstopfter oder fehlgebildeter Tränenkanal: Typisch bei kurzschnäuzigen Rassen (Mops, Bulldogge, Shih Tzu) oder kleinen Hunden mit engen Tränenkanälen (Bichon, Pudel, Zwergspitz). Die Tränen laufen über den Augenrand, entlang der Nase, und die Haare unter dem Auge verfärben sich bräunlich durch die Oxidation des Porphyrins in der Tränenflüssigkeit. Normalerweise fliessen die Tränen durch den Tränenkanal in die Nase ab. Das Problem ist hauptsächlich kosmetischer Natur. Ein Spülen oder Öffnen des Kanals unter Narkose bringt meist nur vorübergehende Linderung, da der Kanal sich rasch wieder schliesst.
- Entropium / Ektropium: Fehlstellungen der Augenlider, die nach innen (Entropium) oder nach aussen (Ektropium) gedreht sind. Diese Anomalien behindern den Tränenabfluss, reizen die Hornhaut und verursachen anhaltendes Tränen. Besonders betroffen sind Rassen wie Bernhardiner, Mastino Napoletano, Basset Hound, Shar-Pei oder Clumber Spaniel. Bei Beschwerden oder Gefahr für die Augengesundheit kann eine chirurgische Korrektur erforderlich sein.
- Abnorme Wimpernstellung: Wimpern, die am Auge reiben oder hineinwachsen, führen zu Reizungen und übermässiger Sekretbildung.
- Rassen mit hervorstehenden Augen oder langem Fell: Hunde wie Yorkshire Terrier, Bichon oder Shih Tzu, die grosse, runde Augen oder viel langes Fell um die Augen haben, sind besonders anfällig für tränende Augen.
Was bedeutet die Farbe des Augensekrets?
Art und Farbe des Ausflusses können wertvolle Hinweise auf die Ursache geben:
- Klarer, wässriger Ausfluss deutet meist auf eine vorübergehende Reizung (Wind, Staub) oder eine anatomische Besonderheit hin.
- Rötlich- oder bräunlich gefärbter Ausfluss entsteht durch Oxidation des Porphyrins in der Tränenflüssigkeit am Fell – häufig bei kurzschnäuzigen oder kleinen Hunderassen. Eine Zunahme des Tränenflusses kann jedoch auf eine Entzündung oder einen verstopften Tränenkanal hinweisen.
- Gelber oder grünlicher Ausfluss ist oft ein Zeichen einer Infektion. Er tritt häufig zusammen mit Schmerzen, Rötungen oder einem zusammengekniffenen Auge auf – hier sollte der Tierarzt rasch aufgesucht werden.
- Dickes oder verkrustetes Sekret, besonders morgens, kann harmlos sein. Wenn es jedoch anhält oder zunimmt, kann es auf eine Bindehautentzündung oder Tränenproduktionsstörung hinweisen.
Wann sollte man sich um tränende Augen bei seinem Hund Sorgen machen?
Einige Anzeichen im Zusammenhang mit Augenausfluss erfordern unbedingt Ihre besondere Aufmerksamkeit. Wenden Sie sich rasch an Ihren Tierarzt, wenn Ihr Hund:
- sich häufig die Augen oder das Gesicht reibt,
- übermässig blinzelt oder ein Auge geschlossen hält,
- starke Rötung, Schwellung, Trübung oder milchige Augen zeigt,
- matt, gereizt, lichtempfindlich oder müde wirkt,
- Ausfluss hat, der länger als 24–48 Stunden anhält oder schlimmer wird,
- kürzlich eine Verletzung hatte oder nach einem Spaziergang Beschwerden zeigt (Fremdkörper, Grannen usw.).
- Wenn keine Schmerzen oder schnelle Verschlechterung auftreten, können Sie zunächst das Auge mit physiologischer Kochsalzlösung reinigen und die Entwicklung einige Tage beobachten.
Im Zweifelsfall ist jedoch eine tierärztliche Augenuntersuchung (Hornhautfärbung, Tränenmessung, Untersuchung mit Spaltlampe usw.) entscheidend, um eine genaue Diagnose zu stellen und eine geeignete Behandlung einzuleiten: Augentropfen, Antibiotika, lokale Pflege – oder bei anatomischen Problemen gegebenenfalls eine Operation.
Wie reinigt man die Augen seines Hundes?
Eine sanfte, regelmässige Reinigung mit einem geeigneten Produkt hilft, Sekretansammlungen zu verhindern und das Risiko von Reizungen oder Infektionen zu reduzieren. Ideal ist es, das Auge gründlich zu spülen und anschliessend die Umgebung vorsichtig mit einer sauberen Kompresse zu trocknen. Diese einfache Routine kann bereits eine leichte Reizung lindern, besonders nach Spaziergängen oder bei Staubbelastung.
Im folgenden Video zeigt Ihnen unsere Tierärztin Schritt für Schritt, wie Sie die Augen Ihres Hundes richtig reinigen:
Vorbeugung von Augenausfluss
Einige alltägliche Massnahmen helfen, chronischem Tränenfluss oder Infektionen vorzubeugen:
- Bürsten und trocknen Sie regelmässig das Fell um die Augen, um Feuchtigkeit zu vermeiden.
- Meiden Sie sehr staubige Umgebungen, insbesondere bei empfindlichen Hunden.
- Begrenzen Sie in Risikoperioden den Kontakt mit Pollen und Allergenen – ein befeuchtendes Augengel vor dem Spaziergang kann helfen.
- Reinigen Sie die Augen nach Spaziergängen, wenn Sie Sekret bemerken.
Fazit
Tränende Augen bei Hunden sind häufig und können viele Ursachen haben – von einer leichten Reizung bis hin zu ernsteren Augenkrankheiten. Anzeichen wie verfärbter Ausfluss, ein zusammengekniffenes Auge, Rötung oder Verhaltensänderungen sollten immer ernst genommen werden.
Mit regelmässiger Reinigung, guter Augenhygiene und aufmerksamer Beobachtung lassen sich viele Probleme vermeiden und das Sehvermögen und Wohlbefinden Ihres Hundes langfristig erhalten.