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Getreide, Gluten und Kohlenhydrate in Hunde- und Katzenfutter – einige Fakten

Getreidefeld Hund

Hunde- und Katzenbesitzer möchten ihre Tiere so natürlich und gesund ernähren wie möglich. Viele geben deshalb gluten- oder getreidefreies Futter. Was ist der Unterschied und welche Vorteile hat dieses Futter gegenüber herkömmlicher Tiernahrung?

Weshalb enthalten Hunde- und Katzenfutter Getreide?

Getreide wie Weizen, Reis oder Mais enthalten primär energieliefernde Kohlenhydrate in Form von Stärke. Es ist damit ein wichtiger Energielieferant im Hunde- und Katzenfutter. Daneben stecken im Getreide viele Nähr- und Inhaltsstoffe, die für Hunde und Katzen wertvoll sind: Hochverdauliche Proteine, hochwertige Fette, Mineralstoffe und Vitamine sowie komplexe Kohlenhydrate, in Form von löslichen und unlöslichen Nahrungsfasern.

Bedeutet getreidefrei, dass das Futter keine Kohlenhydrate enthält?

Kohlenhydrate in Form von Stärke sind nicht nur wichtige Energielieferanten, sie sind auch notwendig als ‚Kleber‘ bei der Produktion von Trockenfutter. Ein Anteil von mindestens 20% ist notwendig, damit sich die Futterinhaltstoffe zu Kroketten formen lassen. Getreidefreie Trockenfutter enthalten deshalb andere stärkehaltige Zutaten wie Kartoffeln, Süsskartoffeln, Erbsen oder Kürbis. Das heisst, auch getreidefreie Hunde- und Katzen-Trockenfutter enthalten Kohlenhydrate.

Was ist der Unterschied zwischen getreidefreiem und glutenfreiem Futter?

Gluten ist ein Gemisch von Proteinen, sogenannte Klebereiweissen, die im Samenkorn bestimmter Getreide vorkommen. Glutenhaltig sind zum Beispiel Weizen, Gerste, Roggen, Hafer oder Dinkel. Reis, Mais, Buchweizen oder Amaranth sind hingegen glutenfreie Getreide. Ein getreidefreies Futter ist damit immer auch glutenfrei, ein Futter welches Reis oder Mais enthält, ist zwar nicht getreidefrei, jedoch glutenfrei.

Ist Getreide im Hunde- und Katzenfutter ungesund?

Getreide ist nicht ungesund, sondern liefert Energie, Eiweisse, essentielle Fettsäuren, Vitamine und Mineralstoffe. Zudem sind im Getreide komplexe, unverdauliche Kohlenhydrate enthalten, welche als Ballaststoffe eine gesunde Darmflora unterstützen und die Darmperistaltik anregen.

Wie gegenüber anderen häufig im Futter vorkommenden Eiweissen ist bei Hunden und Katzen auch eine Allergie gegenüber Getreideeiweissen möglich. Die meisten Hunde und Katzen, die an einer Futtermittelallergie leiden, reagieren allergisch auf eine tierische Eiweissquelle. Besonders häufig sind Allergien gegenüber Rindfleisch, Huhn oder Fisch. Nur etwa 20% der allergischen Hunde und 10% der allergischen Katzen reagieren auf pflanzliche Eiweisse aus Weizen, Soja, Mais oder Reis. Tiere, die an einer Futtermittelallergie leiden, müssen lebenslang ein Futter erhalten, das frei ist von den Bestandteilen, die bei ihnen eine Allergie auslösen.

Beim Menschen gibt es verschiedene Formen der Glutenunverträglichkeiten. Es handelt sich dabei nicht um eine Allergie, sondern um Autoimmunerkrankungen, deren Krankheitsmechanismen noch nicht vollständig geklärt sind. Bei Hunden und Katzen sind solche Glutenunverträglichkeiten sehr selten und wurden bisher eindeutig nur beim einer Irish-Setter Familie und bei Boston-Terriern beschrieben.

Falls Sie das Gefühl haben, dass Ihr Hund oder Ihre Katze an einer Futterallergie oder -unverträglichkeit leidet, sollten Sie die Diagnose und Behandlungsmöglichkeiten mit Ihrem Tierarzt besprechen. Besteht ein Verdacht auf eine Allergie oder Unverträglichkeit auf Getreide, sollte ein getreidefreies Futter gegeben werden.

Wie viel Kohlenhydrate vertragen Hunde und Katzen?

Wie erwähnt, enthalten Trockenfutter immer einen gewissen Anteil an Kohlenhydraten, insbesondere Stärke, die entweder aus Getreide oder anderen stärkehaltigen Komponenten stammt. Um Stärke verdauen zu können, muss die Bauchspeicheldrüse das Enzym Amylase ausschütten, welches die Stärke in kleine Zuckermoleküle zerkleinert, die dann von den Darmzellen aufgenommen und ins Blut weitergeleitet werden können.

Sowohl Hunde als auch Katzen verfügen über diese Enzyme und sind damit in der Lage, Stärke zu verdauen und als Energielieferant zu verwenden. Voraussetzung für eine gute Verdaulichkeit ist allerdings, dass die Stärke durch Kochen aufgeschlossen wurde. Bei Hunden konnte zudem gezeigt werden, dass durch eine stärkereiche Fütterung die Produktion von Amylase gesteigert werden kann, so dass die meisten Hunde auch sehr kohlenhydratreiche Futter gut vertragen.

Die maximale Menge, die ein Futter an Kohlenhydraten enthalten kann, ist individuell von Tier zu Tier unterschiedlich. Enthält ein Futter zu viel Stärke, so schaffen es die Enzyme im Dünndarm nicht mehr, die gesamte Menge zu verdauen, so dass unverdaute Kohlenhydrate in den Dickdarm gelangen und dort Wasser anziehen und zu Durchfall führen.

Bei vielen Hunden kann das Futter bis zu 60% Stärke enthalten, ohne dass sie mit Durchfall reagieren. Gewisse Hunde, insbesondere nordische oder australische Rassen, haben jedoch eine viel geringere Toleranz und reagieren schon bei geringeren Mengen an Kohlenhydraten im Futter mit Durchfall.

Auch Katzen vertragen keine hohen Mengen an Kohlenhydraten im Futter. Ihre natürliche Nahrung aus Kleinsäugern ist protein- und fettreich und enthält nur wenig Kohlenhydrate. Enthält das Futter zu viel oder schlecht aufgeschlossene Stärke, reagieren auch sie mit Durchfall.

Bei schlechter Verträglichkeit von Kohlenhydraten sollte ein kohlenhydratarmes Futter gegeben werden.

Brauchen Hunde und Katzen Kohlenhydrate?

Weder Kohlenhydrate aus Getreide noch aus anderen stärkehaltigen Pflanzen sind essentielle Nahrungsbestandteile für Hunde und Katzen. Beide Tierarten können daher auch mit einem Futter, das sehr wenig Kohlenhydrate enthält, ausgewogen ernährt werden. Insbesondere bei Hunden, die grosse Leistungen erbringen müssen, sowie bei Trächtigkeit und Laktation ist jedoch eine ausreichende Versorgung mit Energie ohne stärkehaltige Komponenten im Futter schwierig.

Auch Hunde und Katzen, die zu Übergewicht neigen, können von Kohlenhydraten im Futter profitieren, da sie in Form von Ballaststoffen die Sättigung verbessern.

Fazit:

  • Getreidefrei bedeutet nicht, dass das Futter kohlenhydratfrei oder -arm ist
  • Getreidefreie Futter sind immer auch glutenfrei
  • Glutenfreie Futter sind nicht immer getreidefrei
  • Getreide ist für Hunde- und Katzen nicht ungesund, sondern primär ein guter Energielieferant
  • Getreideeiweisse können, wie alle im Futter vorkommenden Eiweisse, Allergien auslösen
  • Zu viele Kohlenhydrate im Futter können Durchfall verursachen
  • Weder Hunde noch Katzen brauchen Kohlenhydrate im Futter. Bei Tieren mit erhöhtem Energiebedarf ist Stärke im Futter jedoch ein guter Energielieferant. Bei Hunden und Katzen, die zu Übergewicht neigen, bewirken Ballaststoffe eine verbesserte Sättigung.

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