Endoparasiten beim Hund: Würmer und Giardien richtig erkennen und behandeln
-
Von
Dr. med. vet. Sabina Büttner - 20.04.2026

Hunde lieben es, die Welt mit allen Sinnen zu erkunden. Beim Schnüffeln an Grashalmen, beim Spielen im Park oder beim Kontakt mit Artgenossen lauern jedoch oft unsichtbare Gefahren. Endoparasiten, wie Würmer und Einzeller, sind ständige Begleiter im Leben unserer geliebten Vierbeiner.
Viele Hundebesitzer sind unsicher, wie sie ihren Liebling am besten schützen können. Eine unbehandelte Infektion ist nämlich nicht nur unangenehm für das Tier, sondern kann teilweise auch die Gesundheit von uns Menschen gefährden.
Erfahren Sie in diesem Ratgeberbeitrag, welche inneren Parasiten am häufigsten vorkommen, auf welche Symptome Sie achten müssen und wie Sie Ihren Hund effektiv schützen.
Was sind Endoparasiten beim Hund?
Endoparasiten sind Schmarotzer, die im Inneren (aus dem Griechischen "endo") eines Wirtstieres leben und sich von dessen Nährstoffen oder Blut ernähren. Sie nisten sich beim Hund meistens im Magen-Darm-Trakt, zum Teil aber auch in Organen wie der Lunge oder dem Herzen ein.
Zu den wichtigsten Endoparasiten beim Hund gehören Würmer (beispielsweise Spulwürmer, Hakenwürmer, Bandwürmer und Herzwürmer) sowie mikroskopisch kleine Einzeller (wie Giardien oder Kokzidien). Da diese Parasiten oft lange Zeit völlig unbemerkt bleiben, ist ein fundiertes Wissen über Vorsorge und Diagnose entscheidend.
Wie erkennen Sie einen Befall? Die wichtigsten Symptome
Aus medizinischer Sicht sind die Anzeichen für einen Parasitenbefall zu Beginn oft unspezifisch. Ein leichter Befall bleibt bei erwachsenen, gesunden Hunden nicht selten komplett symptomlos. Dennoch gibt es einige Warnsignale, auf die Sie als aufmerksamer Hundehalter unbedingt achten sollten:
| Kategorie | Symptome & Anzeichen |
|---|---|
| Verdauungsprobleme | Wiederkehrender oder schleimiger Durchfall, weicher Kot oder plötzliches Erbrechen. |
| Atemwegssymptome | Unerklärlicher Husten, schnelle Erschöpfung oder Atemnot (häufig bei Lungen- oder Herzwürmern). |
| Gewichtsverlust | Abmagerung Ihres Hundes trotz normalem oder sogar gesteigertem Appetit. |
| Schlechtes Erscheinungsbild | Ein stumpfes, glanzloses Fell, blasse Schleimhäute oder eine allgemeine Anfälligkeit für Krankheiten. |
| Verhaltensänderungen | Apathie oder das typische "Schlittenfahren" (ein Rutschen auf dem Hinterteil aufgrund von starkem Juckreiz am After). |
| Sichtbare Parasiten | Gelegentlich finden sich direkt ausgeschiedene Würmer oder Bandwurmglieder im Kot des Hundes. |
Die häufigsten inneren Parasiten im Überblick
1. Spulwürmer
Diese Würmer sind besonders bei jungen Hunden ein grosses Problem, da sie häufig schon über die Muttermilch oder im Mutterleib von der Hündin auf die Welpen übertragen werden. Sie entziehen dem Hund wichtige Nährstoffe für das Wachstum und können die Darmschleimhaut massiv schädigen.
2. Hakenwürmer
Hakenwürmer sind blutsaugende Parasiten, die sich in der Darmschleimhaut festbeissen. Eine Infektion erfolgt entweder über die Aufnahme aus der Umgebung oder – was besonders tückisch ist – durch das aktive Eindringen der Larven über die intakte Haut, meist an den Pfoten. Ein starker Befall kann zu gefährlicher Blutarmut (Anämie) und blutigem Durchfall führen.
3. Bandwürmer
Bandwürmer werden in der Regel über sogenannte Zwischenwirte übertragen. Frisst Ihr Hund bei einem Spaziergang draussen eine infizierte Maus oder verschluckt er bei der täglichen Fellpflege aus Versehen einen Floh, kann er sich sehr schnell anstecken.
4. Herzwürmer (Dirofilarien)
Der "klassische" Herzwurm ist primär eine Reisekrankheit, die durch infizierte Stechmücken im südlichen und östlichen Ausland übertragen wird. Die Larven wandern über die Blutbahn und entwickeln sich zu ausgewachsenen Würmern, die sich in den grossen Blutgefässen der Lunge und im Herzen ansiedeln. Eine unbehandelte Infektion führt zu schwerer Herzschwäche.
5. Französische Herzwürmer (Lungenwürmer)
Trotz seines Namens ist der Französische Herzwurm (Angiostrongylus vasorum) eigentlich ein Lungenwurm, der auch hier in der Schweiz immer häufiger vorkommt. Hunde stecken sich an, wenn sie draussen absichtlich oder versehentlich infizierte Schnecken fressen – oft reicht schon das Kauen an einem Grasbüschel, an dem eine kleine Schnecke sass. Die Würmer befallen die Blutgefässe der Lunge und können neben Husten auch lebensgefährliche Blutgerinnungsstörungen verursachen.
6. Giardien: Hartnäckige Einzeller
Giardien sind äusserst widerstandsfähige Einzeller, die bei Hunden chronischen, oft übelriechenden Durchfall verursachen. Die Ansteckung erfolgt hauptsächlich über verunreinigtes Wasser oder kontaminierten Kot. Da dieser Parasit sehr häufig vorkommt, wird bei wiederholtem Durchfall immer empfohlen, den Hund auf Giardien zu testen. Giardien überleben in der Umwelt lange Zeit in Form von Zysten, was Reinfektionen begünstigt. Bei einem positiven Testergebnis ist eine strenge Hygiene (Reinigung und Desinfektion der Umgebung) unerlässlich. Weitere Informationen finden Sie in unserem speziellen Artikel über Giardien.
Behandlung und Vorbeugung: So schützen Sie Ihren Hund
Wie oft sollte ein Hund entwurmt oder auf Parasiten getestet werden? Um Ihren Hund und auch Ihre eigene Familie zu schützen, haben sich folgende Ansätze bewährt:
1. Regelmässige Kotuntersuchungen mit modernen PCR-Tests
Anstatt Ihren Hund routinemässig "blind" zu entwurmen, wird zunehmend eine vorherige Kotuntersuchung empfohlen. Ein hochmoderner und äusserst zuverlässiger Ansatz ist hierbei der pezz PCR-Wurmtest.
- Der Vorteil der PCR-Methode: Im Gegensatz zur klassischen Betrachtung unter dem Mikroskop sucht das Labor bei einem PCR-Test direkt nach der DNA der Parasiten. Das macht den Test extrem genau, auch wenn die Würmer gerade keine Eier ausscheiden. Die Tests decken auch Giardien oder Lungenwürmer sicher ab.
- Die Anwendung: Sie sammeln einfach eine einzelne Kotprobe mit dem Test-Kit und senden diese bequem ins Labor. So können Sie bei einem positiven Befund zielgerichtet behandeln und schonen gleichzeitig die Darmflora Ihres Hundes, wenn der Test negativ ausfällt.
2. Tierärztliche Empfehlungen zur Entwurmungshäufigkeit
Entscheiden Sie sich für eine prophylaktische Entwurmung oder für regelmässige Tests, hängt die Häufigkeit stark vom Lebensstil Ihres Hundes ab:
- Hunde mit normalem Risiko: Für einen typischen Familienhund, der in der Stadt oder auf normalen Spazierwegen unterwegs ist, empfehlen wir eine Testung oder Entwurmung mindestens viermal im Jahr (alle drei Monate).
- Hunde mit hohem Risiko: Frisst Ihr Hund draussen gerne Kot, jagt er Mäuse oder lebt er in einem Haushalt mit Kleinkindern oder immungeschwächten Personen? Dann raten wir aus medizinischer Sicht zu einer monatlichen Untersuchung oder Entwurmung.
Zusätzliche Hygienemassnahmen im Alltag
- Sammeln Sie den Kot Ihres Hundes konsequent auf und entsorgen Sie ihn im Robidog oder im Hausmüll.
- Achten Sie auf einen lückenlosen Flohschutz, da Ektoparasiten oft Bandwürmer übertragen.
- Setzen Sie auf regelmässige Kotuntersuchungen (z.B. PCR-Tests), um gezielt behandeln zu können.
- Lassen Sie Ihren Hund nicht aus stehenden Pfützen trinken (erhöhte Giardien-Gefahr!).
- Denken Sie nicht, dass eine Entwurmung präventiv (vorbeugend) wirkt.
- Vergessen Sie die Herzwurm-Prophylaxe bei Reisen in südliche und östliche Länder nicht.
Endoparasiten wie Würmer und Giardien lauern fast überall, wo unsere Hunde sich gerne aufhalten. Durch gute Beobachtung, regelmässige Kotuntersuchungen und ein massgeschneidertes Entwurmungskonzept können Sie das Risiko für ernsthafte Erkrankungen auf ein Minimum reduzieren.